AU-DELÀ DES FRONTIÈRES

Internationales Tanz- und Performanceprojekt
Frankreich · Burkina Faso · 2012
MITWIRKENDE
Salia Sanou · Odile Sankara · Emmanuel Djob · Martin Hausmann ·
Paul Martin Cambeis · Jean-Charles Gaume · Hughes Germain ·
Marion Alzieu · Cianluca Girolami · Jérôme Kaboré · Aly Karembé

Au-delà des Frontières | Jenseits der Grenzen

Au-delà des Frontières war ein internationales Tanz- und Performanceprojekt, in dem zeitgenössischer Tanz, Musik, Akrobatik und bildende Kunst unmittelbar aufeinandertrafen.

Während der Aufführung entstanden die Bühnenbilder live. Mit zwei Overheadprojektoren wurden Zeichnungen und Strukturen auf die Bühne projiziert, während die Tänzer sich durch, vor und scheinbar in diesen Bildern bewegten. Die Projektion war keine fertige Kulisse. Sie entstand und veränderte sich im selben Moment wie das Geschehen auf der Bühne.

Die künstlerische Konzeption und die Bildmotive stammten von Martin Hausmann. Meine Aufgabe war es, diese Motive bei jeder Aufführung live neu zu interpretieren und als Teil der Performance entstehen zu lassen.

Zeichnung wurde zu Licht. Licht wurde zu Raum. Und der Raum begann sich zu bewegen.

MITTEN IM PUBLIKUM

Die Live-Szenografie entstand nicht von der Bühne aus, sondern mitten im Zuschauerraum. Das Gestell mit den beiden Overheadprojektoren wurde je nach Spielort an unterschiedlichen Positionen aufgebaut: meist im oberen Zuschauerraum, manchmal im Orchestergraben oder sogar im Souffleurkasten.

Von dort aus entstanden die Projektionen während der laufenden Aufführung. Ich zeichnete, kratzte und malte live auf Glasplatten, während wenige Meter entfernt die Tänzer auf der Bühne agierten.

Die Bilder wurden nicht abgespielt. Sie entstanden im selben Moment wie die Aufführung.

ZEICHNEN MIT LICHT

Die Bilder entstanden auf Glasplatten, die mit schwarzer Eitempera und Ochsengalle beschichtet waren. Mit Pinsel, Skalpell und Ceranfeldschaber kratzte und zeichnete ich während der Aufführung direkt in diese schwarze Fläche.

Unter den Glasplatten arbeiteten zwei extrem lichtstarke Overheadprojektoren. Die freigeschabten Stellen ließen das Licht hindurch und wurden auf die Bühne projiziert. Farbfilter verwandelten die ursprünglich weißen Zeichnungen in farbiges Licht. Die Projektionen beider Geräte konnten sich dabei zu einem gemeinsamen Bühnenbild überlagern.

Während eine Glasplatte projiziert wurde, konnte ich auf der zweiten bereits das nächste Bild vorbereiten. Eine vorherige Zeichnung wurde wieder aufgelöst, die Platte neu beschichtet und anschließend zurück in den Projektionsweg geschoben. So veränderten sich die Bilder fortlaufend während der Aufführung.

Aus zwei bearbeiteten Glasplatten entstand ein gemeinsames Bild aus Licht.

DER KÖRPER IM BILD

Die Projektionen waren mehr als ein Hintergrund für die Tänzer. Linien, Flächen und Figuren veränderten den Bühnenraum und traten in direkten Kontakt mit den Körpern. Die Tänzer bewegten sich vor den Bildern, durch sie hindurch und schienen manchmal selbst Teil der Zeichnung zu werden.

Manche Motive reagierten unmittelbar auf das Bühnengeschehen. Eine gezeichnete Tür konnte sich öffnen, während ein Tänzer durch sie hindurchtrat. Körper, Bewegung und Zeichnung bezogen sich aufeinander und erzeugten für einen Moment einen gemeinsamen Raum.

Die Zeichnung war nicht Kulisse. Sie wurde Mitspieler.

AU-DELÀ AUF REISEN

Au-delà des Frontières blieb nicht an einen Ort gebunden. Die Produktion war an verschiedenen Bühnen und Festivals in Frankreich zu Gast. Mit dabei war ich in Montpellier, Bédarieux, Belfort, Florac, Limoges, Narbonne und Le Creusot.

Mit jeder Bühne veränderten sich auch die Bedingungen für die Live-Szenografie. Unser Gestell mit den beiden Overheadprojektoren musste immer wieder neu in den vorhandenen Raum integriert werden.

Die weiteste Reise führte schließlich nach Ouagadougou in Burkina Faso.

Eine Produktion über Grenzen, die selbst Grenzen überschritt.

JENSEITS DER GRENZEN

Au-delà des Frontières verband für mich vieles, was meine künstlerische Arbeit bis heute prägt: Zeichnung, Raum, Bewegung, Improvisation und Performance.

Die Bilder waren nicht fertig, bevor die Aufführung begann. Sie entstanden live, reagierten auf das Geschehen und verschwanden wieder. Zeichnen wurde dadurch selbst zu einem Teil der Aufführung.

Die Künste begegneten sich nicht nebeneinander.
Sie entstanden miteinander.

MITWIRKENDE

Salia Sanou · Odile Sankara · Emmanuel Djob · Martin Hausmann · Paul Martin Cambeis · Jean-Charles Gaume · Hughes Germain · Marion Alzieu · Cianluca Girolami · Jérôme Kaboré · Aly Karembé